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Brennende Kerze auf der Fensterbank eines Steinhauses, draußen Herbstwald im Abendlicht
Der nordische Jahreskreis

Der Jahreskreis: die acht Feste von Jul bis Samhain

Der Jahreskreis mit Jul, Imbolc, Ostara, Beltane, Mittsommer, Lughnasadh, Mabon und Samhain: Herkunft, Bräuche und alle Daten für 2026 und 2027.

Kurz gesagt: Der Jahreskreis teilt das Jahr in acht Feste: Jul zur Wintersonnenwende, Imbolc, Ostara zur Frühlings-Tagundnachtgleiche, Beltane, Mittsommer, Lughnasadh, Mabon zur Herbst-Tagundnachtgleiche und Samhain. Vier davon sind alte irisch-keltische Jahresfeste, vier folgen dem Lauf der Sonne. Zu einem Kreis zusammengefügt wurden sie erst im 20. Jahrhundert, im modernen Heidentum. Kein historisches Volk hat nachweislich alle acht Feste gefeiert.

Woher der Jahreskreis kommt

Die mittelalterliche irische Literatur nennt vier große Feste: Samhain, Imbolc, Beltane und Lughnasadh. Sie teilen das bäuerliche Jahr in Viertel und richten sich nach Vieh und Ernte, nicht nach der Sonne. Aus dem germanischen Norden ist anderes überliefert. Snorri Sturluson nennt drei große Opferfeste: zu Winterbeginn für ein gutes Jahr, zu Mittwinter für das Wachstum und im Sommer für den Sieg.

Der Kreis aus acht Festen entstand in den 1950er-Jahren im britischen modernen Heidentum, unter anderem bei Gerald Gardner, dem Begründer von Wicca, und dem Druiden Ross Nichols. Sie ergänzten die vier keltischen Feste um die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. Namen wie Litha und Mabon kamen erst in den 1970er-Jahren hinzu. Der Jahreskreis ist also eine moderne Zusammenstellung aus keltischen, germanischen und christlich geprägten Bräuchen. Das macht ihn nicht wertlos: Er ist ein schöner Rahmen, um das Jahr bewusst zu erleben.

Die acht Feste im Überblick

  • Jul: 21. Dezember 2026 · 22. Dezember 2027
  • Imbolc: 1./2. Februar
  • Ostara: 20. März 2026 · 20. März 2027
  • Beltane: 30. April/1. Mai
  • Mittsommer (Litha): 21. Juni 2026 · 21. Juni 2027
  • Lughnasadh (Lammas): 1. August
  • Mabon: 23. September 2026 · 23. September 2027
  • Samhain: 31. Oktober/1. November

Die vier Sonnenfeste richten sich nach dem astronomischen Zeitpunkt und verschieben sich deshalb leicht von Jahr zu Jahr. Alle Uhrzeiten auf dieser Seite gelten für Deutschland.

Jul – Wintersonnenwende (21. Dezember)

Die längste Nacht des Jahres: 2026 ist die Sonnenwende am Montag, 21. Dezember, um 21:50 Uhr MEZ, 2027 am Mittwoch, 22. Dezember, um 3:42 Uhr MEZ. Jul, altnordisch jól, war das große Mittwinterfest des germanischen Nordens. Laut Snorri legte König Hákon der Gute es im 10. Jahrhundert auf den Termin von Weihnachten, das im Norden bis heute „Jul“ heißt. Man feiert mit Lichtern, Grün im Haus, einem Festmahl, dem Julbock aus Stroh und kleinen Geschenken, dem Julklapp. Danach folgen bis Dreikönig die Rauhnächte. Mehr dazu auf unserer Seite zum Julfest.

Imbolc (1./2. Februar)

Imbolc ist das irische Fest zu Beginn des Februars und in den Quellen weniger ausführlich bezeugt als Samhain oder Beltane. Die Bedeutung des Namens ist unklar, ein mittelalterliches Glossar deutet ihn als „Schafsmilch“ – es ist die Zeit der ersten Lämmer. Der 1. Februar ist der Tag der heiligen Brigid, zu dem es in Irland seit 2023 einen gesetzlichen Feiertag gibt. Dort flicht man zu diesem Tag das Brigid-Kreuz aus Binsen. Am 2. Februar folgt Mariä Lichtmess, an dem in der katholischen Kirche Kerzen gesegnet werden. Heute feiern viele Imbolc mit einer ersten Kerze für das wachsende Licht und einem gründlichen Aufräumen.

  • Duft: Honig-Milch – mild und weich, wie ein warmer Becher im Spätwinter.
  • Rune: Kenaz – die Fackel.

Ostara – Frühlings-Tagundnachtgleiche (20. März)

Tag und Nacht sind etwa gleich lang: 2026 am 20. März um 15:46 Uhr MEZ, 2027 am Samstag, 20. März, um 21:24 Uhr MEZ. Der Name geht auf den angelsächsischen Gelehrten Beda zurück. Er schrieb im 8. Jahrhundert, der April heiße bei den Angelsachsen nach einer Göttin Eostre. Jacob Grimm erschloss daraus 1835 eine deutsche „Ostara“. Ob es die Göttin gab, ist umstritten, und ein germanisches Fest zur Tagundnachtgleiche ist nicht belegt. Als Festname stammt Ostara aus dem modernen Heidentum. Heute gehören Saat, frisches Grün und geschmückte Zweige dazu.

Beltane (30. April/1. Mai)

Beltane, irisch Bealtaine, war im irischen Kalender der Sommeranfang. Ein Glossar aus der Zeit um 900 beschreibt zwei Feuer, zwischen denen man das Vieh hindurchtrieb, zum Schutz vor Seuchen. Danach zogen die Herden auf die Sommerweiden. Im deutschsprachigen Raum liegt am Vorabend die Walpurgisnacht, benannt nach der heiligen Walburga, mit Maifeuern, Maibaum und Tanz in den Mai. Im modernen Heidentum gilt Beltane als Fest der Lebensfreude und der Fruchtbarkeit.

Mittsommer/Litha – Sommersonnenwende (21. Juni)

Der längste Tag des Jahres: 2026 am 21. Juni um 10:24 Uhr MESZ, 2027 am Montag, 21. Juni, um 16:10 Uhr MESZ. Im Norden ist Mittsommer bis heute ein großes Fest. In Schweden tanzt man am Freitag zwischen dem 19. und 25. Juni um die geschmückte Stange und trägt Blumenkränze. In Deutschland brennen um den Johannistag am 24. Juni die Johannisfeuer, ein Brauch, der seit dem Mittelalter bezeugt ist. „Litha“ nennt Beda die angelsächsischen Monate Juni und Juli, als Festname ist es modern.

Lughnasadh/Lammas (1. August)

Lughnasadh ist das irische Fest zum Beginn der Ernte, benannt nach dem Gott Lug. Die Sage erzählt, Lug habe es zu Ehren seiner Ziehmutter Tailtiu gestiftet, die sich beim Roden der Felder Irlands zu Tode gearbeitet hatte. Man hielt Versammlungen mit Wettkämpfen und Märkten ab. In England hieß der 1. August Lammas, altenglisch „Brotmesse“: Man brachte Brot aus dem ersten Korn zur Kirche. Heute backen viele zu Lughnasadh ein erstes Brot und feiern die beginnende Ernte.

  • Duft: Mandel – warm und nussig, wie eine kleine Backstube.
  • Rune: Jera – die Ernte, auch als Anhänger.

Mabon – Herbst-Tagundnachtgleiche (22./23. September)

Tag und Nacht sind wieder etwa gleich lang: 2026 am 23. September um 2:05 Uhr MESZ, 2027 am Donnerstag, 23. September, um 8:01 Uhr MESZ. In manchen Jahren fällt der Zeitpunkt auf den 22. September. Den Namen Mabon gab der Amerikaner Aidan Kelly dem Fest in den 1970er-Jahren, nach einer Gestalt der walisischen Sage. Ein historisches Fest dieses Namens gibt es nicht. Inhaltlich passt es zum Erntedank, der in Deutschland meist am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Heute steht Mabon für die zweite Ernte, für Äpfel, Dank und Gleichgewicht.

Samhain (31. Oktober/1. November)

Samhain ist das bekannteste der irischen Feste und in der mittelalterlichen Literatur gut bezeugt. Es markierte den Winteranfang und das Ende des Weidejahres, die Herden kamen von den Sommerweiden zurück. Nach den Sagen stand in dieser Nacht die Grenze zur Anderswelt offen. Dass Samhain das „keltische Neujahr“ war, ist eine Deutung aus dem 19. Jahrhundert. Im Norden begann der Winter mit den Winternächten im Oktober. Heute zünden viele zu Samhain eine Kerze für ihre Ahnen an. Mehr dazu auf unserer Seite zu Samhain.

  • Duft: Kaminfeuer – warm und leicht rauchig, wie eine Hütte im ersten Frost.
  • Rune: Othala – Erbe und Vorfahren, auch als Anhänger.

Den Jahreskreis zu Hause begehen

Feste Regeln gibt es nicht, und das ist gut so. Eine Kerze zu jedem Fest, ein Gericht mit dem, was die Jahreszeit hergibt, ein Spaziergang, ein Moment der Besinnung: Mehr braucht es nicht. Unsere Kerzen sind aus Sojawachs, von Hand gegossen im Ahrtal, mit ausgewählten Duftölen in über 60 Düften – vom Frühlingsgrün bis zum Kaminfeuer. Wer den Kreis des Jahres bei sich tragen möchte, findet ihn im Anhänger Yggdrasil, dem Weltenbaum aus unserer Saga. Und wer zu jedem Fest eine Rune ziehen möchte, greift zum Runenset aus Keramik.

Welche Rune und welcher Duft zu welchem Fest passen, ist unsere heutige Deutung, keine Überlieferung. Und wie bei jeder Kerze gilt: nie unbeaufsichtigt brennen lassen.

Häufige Fragen

Ist der Jahreskreis germanisch oder keltisch?

Weder noch, er ist eine moderne Zusammenstellung. Vier Feste stammen aus der irisch-keltischen Überlieferung, Jul aus dem germanischen Norden, die übrigen Sonnenfeste und ihre Namen wurden im 20. Jahrhundert ergänzt.

Wann ist der Jahreskreis entstanden?

In seiner heutigen Form in den 1950er-Jahren im britischen modernen Heidentum. Die Namen Litha und Mabon kamen in den 1970er-Jahren hinzu.

Warum ändern sich die Daten mancher Feste?

Jul, Ostara, Mittsommer und Mabon hängen an Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. Deren Zeitpunkt verschiebt sich von Jahr zu Jahr um einige Stunden und kann deshalb auf unterschiedliche Tage fallen.

Gehören die Rauhnächte zum Jahreskreis?

Sie sind keines der acht Feste, liegen aber zwischen Jul und Imbolc: die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, mit eigenen Volksbräuchen.

Mit welchem Fest beginnt der Jahreskreis?

Einen festen Anfang gibt es nicht. Viele beginnen mit Samhain, andere mit Jul, weil dann das Licht zurückkehrt. Wir haben uns hier für Jul entschieden.