Das Brigid-Kreuz ist anders als die anderen Symbole auf dieser Liste: Es ist nicht aus Stein gemeißelt, nicht in Gold geschmiedet, nicht in alte Manuskripte gemalt. Es ist aus Schilf, aus dem Sumpf, aus dem Garten geflochten. Jedes Jahr neu. Am 1. Februar, dem Tag der Brigid — keltische Lichtgöttin, später christianisierte Heilige.
Wer war Brigid?
Die keltische Göttin Brigid (Brígh, Brigida) war Tochter des Dagda, eines der wichtigsten Götter der Tuatha Dé Danann (des keltisch-irischen Pantheons). Sie galt als Göttin des Feuers, der Heilkunst, der Schmiedekunst und der Dichtung. Eine vielseitige Patronin der Frühlingserwachung.
Mit der Christianisierung wurde sie zur Heiligen Brigid (St. Brigid of Kildare, 451–525 n. Chr.) umgewandelt — keine seltene Praxis, wenn ein altes Lokalheiligtum nicht ausgerottet werden konnte. Brigid ist heute Schutzheilige Irlands, gleichwertig mit Patrick. Ihr Kult ist nie ganz verstummt.
Imbolc — der Tag des Brigid-Kreuzes
Imbolc, das altkeltische Fest am 1. Februar, markiert das Ende des dunklen Halbjahres und den Beginn des Frühlings. An diesem Tag — heute auch Mariä Lichtmess oder einfach St.-Brigid-Tag genannt — flicht man in Irland traditionell ein Brigid-Kreuz aus frisch geschnittenem Schilf oder Binsen.
Das Kreuz wird über die Tür gehängt — und bleibt dort ein Jahr lang, bis am nächsten Imbolc ein neues geflochten und das alte verbrannt wird. Wer das Kreuz aus dem Sumpf holt, soll die Tradition lebendig halten.
Wie es geflochten wird
- 1Frisch geschnittenes Schilf oder Binsen sammeln (etwa 16 Halme, gleich lang).
- 2Den ersten Halm mittig knicken — das ist der Anfang.
- 3Den zweiten Halm um den ersten knicken, im rechten Winkel.
- 4Den dritten Halm wieder im rechten Winkel um den zweiten knicken.
- 5So weiter, bis vier Arme entstehen — alle versetzt, alle gleich lang.
- 6Die Enden mit Garn oder Bindfaden zusammenbinden. Fertig.
Bedeutung
- •Schutz vor Feuer— traditionell hing das Kreuz über dem Herd, der Feuerstelle.
- •Schutz vor Krankheit— Brigid war die Heilerin schlechthin.
- •Segen für das Vieh— oft wurden auch kleine Kreuze in den Stall gehängt.
- •Begrüßung des Frühlings— das Licht kehrt zurück.



